TIFLIS

TIFLIS

 

Die Stadt Tiflis liegt am Fluss Mtkwari, umrankt von den Bergen Mtazminda und Machata, geschützt im Tal.

 

„Tbili“ bedeutet übersetzt „Wärme“. Einer Legende zufolge schoss der Stadtgründer, König Wachtang Gorgasali, während einer Jagd einen Pfau. Bis des Königs Jagdhund den erlegten Vogel fand, war dessen Körper, bedingt durch die heißen Quellen des Ortes, „gekocht“.

Durch diese Entdeckung der heißen Quellen beschloss der König, eine neue Stadt zu gründen - Tbilisi.

 

In der heutigen Altstadt von Tiflis können viele Thermalquellen besucht werden, deren Temperatur zwischen 45 und 50 Grad Celsius beträgt. Interessant ist auch, dass sich Tilflis auf demselben Breitengrad befindet wie Rom und Barcelona. Mit diesen Städten hat Tiflis milde, schneearme Winter und heiße, temperaturreiche Sommer gemeinsam.

 

Wachtang Gorgasali machte Tiflis im Jahr 458 n. Chr. zur neuen Hauptstadt des iberischen Reiches. Die vorherige bedeutendste Stadt des antiken Iberiens war Mzechta, ca. 20 km von Tiflis entfernt.

König Wachtang Gorgasali starb 502, sein Sohn Datschi setzte Anfang des 6. Jahrhunderts den Ausbau der jungen Hauptstadt fort.

 

1271/72 bewunderte Marco Polo Tiflis und schwärmte in seine Aufzeichnungen von der prächtigen Stadt und der wunderschönen Umgebung.

Allerdings stand Tiflis seit jeher im Interesse fremder Eroberer. So ließ 1795 der Perserkönig Agha Mohammed Khan die Stadt komplett einäschern und schätzungsweise 50000 Bewohner massakrieren.

1801 annektierte Russland das geschwächte Ostgeorgien und 1802 den Westen des Landes. Tiflis wurde Hauptstadt des russischen Gouvernements. Die durch die Perser zerstörte Stadt wurde auch mit russischer Hilfe wieder aufgebaut, dabei war es nicht selbstverständlich, die georgische Bautradition zu berücksichtigen.

 

Die Georgier fanden in dem Lyriker und Diplomaten Alexander Gribojedow, eingesetzt in Teheran als russischer Botschafter, einen gewichtigen Fürsprecher. Er heiratete die georgische Prinzessin Nino Tschawtschawadze, doch sein tragischer Tod in Teheran beendete ihre große Liebe. Seinem Wunsch entsprechend wurde der Lyriker im Tifliser Pantheon beerdigt.

 

Von 1876 bis 1885 lebte Bertha von Suttner mit ihrem Ehemann im damaligen deutschen Viertel von Tiflis. Zu dieser Zeit war die finanzielle Situation der Eheleute zwar angespannt, gleichwohl sprach sie über diese mehr als acht Jahre in Georgiens Hauptstadt als sehr glückliche Zeit.

 

PIROSMANI

Niko Pirosmanashvili

 

„Pirosmani ist nicht verstorben, sondern verschwunden“, sagte der Pirosmanaschvili-Forscher und Lyriker Grigol Robakidze.

Diese Aussage basiert auf der Tatsache, dass keine genauen Daten über Niko Pirosmanaschvilis Geburt oder Tod existieren.

Sollten wir den Künstler beim Wort nehmen, dann ist er im Alter von 8 Jahren Vollwaise geworden, seitdem lebte er in Tiflis – das sagte der Maler 1916 auf der ersten Künstlerversammlung in Tiflis.

Der aus Kachetien (Kisiki) stammende Künstler verlor früh seine Eltern und seine ältere Schwester Mariam, sie starben kurz nacheinander. Die jüngere Schwester Pepe blieb im Heimatdorf Mirsaani. Pirosmanis Schwager Aleks, der Witwer seiner älteren Schwester, war mit dem kleinen Niko überfordert, weshalb er ihn als „Hausdiener“ in die Hände der angesehenen und wohlhabenden Tifliser Familie Kalantarow gab.

Man kann nachfühlen, was diese Erlebnisse in dem Künstler ausgelöst haben mögen. Traurigkeit und Depressionen waren seine ewigen Begleiter, was sich auch deutlich in seinem Werk widerspiegelt.

Familie Kalantarow beschrieb den kleinen Niko als aufrichtigen, ehrlichen und selbstbewussten Jungen. Die Liebe zur Malerei ist in ihm verwurzelt.

 

 

Der wirtschaftliche Fortschritt in Georgien war unaufhaltsam, der Handel blühte, viele neue Läden wurden eröffnet und auch der zukünftige Maler versuchte sich ein eigenes Geschäft aufzubauen, nachdem er die Familie Kalantarow mit Anfang 20 verlassen hatte. Zuerst tat er sich mit Giga Sasiaschvili zusammen, dessen Vater ebenfalls Maler war. Doch diese erste Unternehmung misslang. Als neuen Kompagnon konnte er den Maler Gesarnidze gewinnen; doch das Geschäft warf erneut keinen Gewinn ab und scheierte. Daraufhin begann der künftige Maler eine Ausbildung bei der Druckerei eines Deutschen, Herr Müller, doch nach ungefähr einem Jahr brach er die Ausbildung wegen menschlicher Differenzen ab. Dazu sagte Pirosmani später: „Er schrie zuviel und beschimpfte mich dauernd.“

 

Ende des 19. Jahrhunderts blühte auch in Tiflis der Kapitalismus. Im ganzen Land wurden Gleise verlegt, die Ost- und Westgeorgien miteinander verbanden. Pirosmani brauchte ein Einkommen, weshalb er sich bei der Verkehrsgesellschaft bewarb. Er bekam eine Stelle als Weichensteller und Bremser. Die Arbeit bei der Bahn war schwer, er musste Tag und Nacht, je nach Schicht, draußen unter freiem Himmel arbeiten. Die schwere Arbeit und der nicht vorhandene Urlaub setzten Pirosmanaschvilis Gesundheit zu. Er wurde chronisch krank und als er den Vorgesetzten in mehreren Briefen um ein paar Tage Urlaub bat wurde er entlassen.

Glücklicherweise bekam er eine Abfindung, womit N. Pirosmanaschvili die Möglichkeit hatte, sich ein Geschäft aufzubauen: Der Künstler kaufte von Bauern Milchprodukte und verkaufte sie mit Gewinn weiter. Obwohl dieses Geschäft einträglich war, hatte der Künstler nach zwei bis drei Jahren keine Lust mehr auf das Handeln.Seinem Gewissen war zuwider, arme Menschen zu schröpfen. So überließ er das Geschäft seinem Teilhaber, der ihn ausbezahlte.

 

Niko Pirosmanaschvili widmete sich nun verstärkt der Malerei. Aus Tiflis zog er sich eine Zeit lang zurück, fuhr zu seiner Schwester aufs Land. Dort schwelgte er oft in Erinnerungen, wie er in seiner Kindheit mit seiner ganzen Familie dort lebte. Um 1898 baute der Maler sogar ein Haus in seinem Geburtsort Mirsaani, dort blieb er aber nicht: Er liebte Tiflis und kehrte deswegen dorthin zurück.

Er hatte dort: Eine eigene Wohnung, gute Kleidung, eine goldene Uhr. Niko Pirosmani sah sehr gut aus: Er war groß, dünn und er machte mit europäischer Kleidung Eindruck. Der Künstler verliebte sich in eine französische Chansonsängerin namens Margarita. Sie gab im Café Chantant Konzerte.

„Der glückliche Niko schenkte ihr sein Herz und, ohne nachzudenken, auch seinen gesamten Besitz“, schrieb Pirosmanis Entdecker Kirill Solanewich später. Um 1909 malte er sie, das Bild „Margarita“ gehört zu Pirosmanaschvilis bekanntesten Bildern. Leider verschwand Margarita so schnell, wie sie auf der Bildfläche aufgetaucht ist, und ließ einen sehr traurigen, fast gebrochenen Mann zurück. Diese unglückliche Liebe hat dem Künstler sehr geschadet. Er blieb zurück ohne Arbeit, ohne Geschäft und ohne Geld, welches er sich jahrelang zurück gelegt hatte.

An dieser Stelle in seinem Leben stehend beschloss er, keinerlei Kompromisse einzugehen, sondern sich voll und ganz auf die Malerei zu konzentrieren. Tagtäglich drehte er seine Runden in Tiflis auf der Suche nach Arbeit. Er gestaltete Reklame-Tafeln, malte Bilder auf Bestellung oder übernahm einfache Anstreich-Arbeiten. Für nichts war er sich zu schade.Er schlief dort, wo er gerade arbeitete; war der Auftrag erledigt zog er weiter. Auf diese Weise verwandelte Niko Pirosmanaschvili die Umgebung des Alten Tiflis, die Bahnhofsgegend, Narikala, Didube, Saburtalo zum eigenen Atelier. Fast in jedem Café, Weinkeller und Restaurant hingen Pirosmanis Werke. Obwohl seine Gemälde bei den Tiflisern hoch angesehen waren, waren die Auftraggeber nicht bereit angemessene Preise für seine Kunst zu zahlen. Dies führte dazu, dass sich Armut und Obdachlosigkeit des Malers verfestigten.

Einem breiteren Publikum bekannt machten Pirosmanis Werke drei Studenten aus Sankt Petersburg, die sich in Tiflis als Urlauber aufhielten: Die Gebrüder Sdanewich und deren Freund Michel Le Dantju. Die Mutter der Brüder Sdanewich war Georgierin, deswegen hatten die Brüder Kirill und Ilia eine besondere Bindung zur Stadt Tiflis. Der Franzose Michel Le Dantju soll auf Pirosmanaschvilis Bilder aufmerksam geworden sein, die fast in jedem Geschäft hingen. Le Dantju war selber Maler, Futurist, er zeigte großes Interesse an den unzähligen Bildern, die in den Weinkellern und Restaurants der Stadt hingen.

Damals lebten in Tiflis viele Einwanderer, die aus verschiedenen Ländern kamen: Osmanen, Perser, Armenier, Russen (Russland annektierte Georgien 1801). Außerdem zogen aus dem ganzen Land Georgier in die Hauptstadt und viele weitgereiste Händler mit ihren Karawanen gehörten zum Stadtbild dazu.

So ist es nur natürlich, das es ein Kaleidoskop an Stilrichtungen der Malerei und Kunst gab. Pirosmanis Bilder ließen sich allerdings in keine „Schublade“ einordnen. Autodidaktisch brachte er sich seinen Malstil bei: Er malte schnell ohne Skizzen, direkt in den Geschäften seiner Auftraggeber, wo viele Zuschauer sein Schaffen beobachteten und ihn mit unzähligen Fragen störten. Der Künstler hasste es, wenn sich die Menge beim Malen einmischte. Es kam oft vor, dass er den Pinsel niederlegte und ging. Er nahm solche Frechheiten sehr zu Herzen.

 

Die Brüder Sdanewich kauften so viele von Pirosmani geschaffene Bilder wie sie konnten und gaben selbst einige Gemälde bei ihm in Auftrag. Der angehende Schriftsteller Ilia Sdanewich schrieb einen Artikel über den Künstler Pirosmanaschvili und Le Dantju hielt in Moskau einen Vortrag über den neu entdeckten Maler und stellte zwei seiner Bilder vor. 1913 war Pirosmani an der Moskauer Ausstellung „Mischen“ mit 4 Bildern beteiligt. Der Franzose Le Dantju veröffentlichte zudem in einer Pariser Zeitung einen Artikel, in welchem er Pirosmanaschvili den „georgischen Giotto“ nannte. (Auch wurde der georgische Maler oft mit Henri Rousseau verglichen, dem „Vater“ der Naiven Malerei.) In der Tifliser Wohnung der Brüder Sdanewich fand auch eine eintägige Ausstellung statt, die Pirosmani gewidmet war und viele seiner Werke vorstellte.

 

 

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